Gals’ spezielle Erfolgsgeschichte

Am Sonntag startet der B-Ligist SV Gals in den Playoff-Final gegen die Horgenberg Hammers. Doch bereits jetzt steht fest: Der kleine Dorfklub wird in der kommenden Saison in der NLA spielen.Bruno Schweizer lässt seiner Euphorie freien Lauf. «Wir sind richtig geil auf diesen Final», sagt der Mann, der seit 28 Jahren Vereinspräsident des SV Gals ist. Gemeint ist der NLB-Playoff-Final des Streethockeyteams. So weit sind die Galser seit der Teamgründung vor 18 Jahren noch nie vorgestossen.

Das Halbfinal-Heimspiel gegen das zweite Team von Grenchen-Limpachtal besuchten 250 Zuschauer. Schweizer hofft, diesen Wert am Sonntag nochmals toppen zu können. «Ich bin zuversichtlich» sagt er. «Die Vorfreude ist im ganzen Dorf spürbar.» Letzthin habe ihn sogar eine rund 80-jährige Frau im Rollator auf das anstehende Endspiel angesprochen.

Die Best-of-3-Serie zwischen Gals und den Horgenberg Hammers beginnt am Sonntag. Beide Vereine hatten im Vorfeld ihre Aufstiegsabsichten erklärt. Es steht jedoch bereits fest, welches Team in der kommenden Saison in der NLA spielen wird. Gals hat im Gegensatz zu Horgenberg alle Auflagen erfüllt und wird deshalb unabhängig vom Ausgang des Finals aufsteigen. Schweizer spricht gar vom Höhepunkt der speziellen Vereins- und letztlich auch Erfolgsgeschichte.

Fussball, Laufsport, Streethockey
1962 ist der SV Gals gegründet worden. Initiator war ein Lehrling einer ortsansässigen Firma, der eine Möglichkeit zur sportlichen Betätigung im beschaulichen Dorf (mittlerweile sind es rund 800 Einwohner) vermisst hatte. Die Firmenleute und weitere sportinteressierte Galser spielten zuerst vor allem Fussball und machten an Grümpelturnieren mit. Als die Plauschwettkämpfe weniger wurden, begann der Verein den Galser Mooslauf zu organisieren. Hinzu kamen eine Jugendriege, eine Theatergruppe und Beachvolleyball. Ein Verein, mehrere Aktivitäten.

Trotzdem war es nicht einfach, die Jugendlichen im Dorf zu halten. Bruno Schweizer beobachtete, wie die Schüler nach Ins, Müntschemier oder Kerzers gingen, weil dort beliebte Mannschaftssportarten angeboten wurden. Schweizer erinnert sich: «Irgendwo im Internet bin ich auf Streethockey gestossen. Da dachte ich: Ein Teerplatz ist doch überall realisierbar.»

Anfang der 2000er Jahre begann er, sich bei der Gemeinde für einen Streethockey-Platz einzusetzen. «Das war kein einfaches Unterfangen», sagt Schweizer. Verschiedene Anwohner befürchteten Lärm. Später war es nur noch eine Person, die sich wiederholt gegen die Anliegen des SV Gals aussprach. Zum Beispiel, als der Verein vor drei Jahren das Spielfeld vergrössern wollte. Seine Einsprachen blieben jedoch erfolglos und das war für den SV Gals wichtig. Denn dank des vergrösserten Platzes, auf dem das Team seit zwei Spielzeiten spielt, darf das Team nun in die höchste Schweizer Liga aufsteigen.

Ausländische Verstärkung
Genau dieser Punkt ist den Horgenberg Hammers letztlich zum Verhängnis geworden. Die Spielfeldgrösse der Zürcher entspricht nicht den NLA-Vorgaben. Die Hammers gaben dem Verband keine alternativen Spielorte an und entfielen deshalb als Aufstiegskandidat. Weil Swiss Streethockey seit längerem eine Aufstockung der NLA auf zehn Team angestrebt hatte, musste Gals einzig den Halbfinal erreichen, um auch die sportlichen Kriterien für die Promotion zu erfüllen. Dies schaffte das Team mit dem Qualifikationssieg souverän.

Rückblickend war die Vergrösserung des Spielfeldes denn auch ein klares Zeichen der Ambition. In den Jahren zuvor hatte der SV Gals zwar wiederholt Nationalspieler hervorgebracht, oft aber verliessen Teamstützen den Verein in Richtung Grenchen oder Bettlach, um in der NLA spielen zu können.

Hanspeter Leiser, der Sektionspräsident Streethockey beim SV Gals, hat seit dem letztjährigen Aus im Halbfinal intensiv auf den Erfolg hingearbeitet. Anfang Jahr engagierte er mit dem mehrfachen tschechischen Nationalspieler und Weltmeister Lukáš Hudeček sogar eine ausländische Kraft. Der 30-Jährige, der schon länger in der Schweiz spielt, brachte mit seiner Erfahrung und Ruhe wichtige Erfolgselemente in das ansonsten eher junge Team.

Schnelle Spieler gesucht
In dieser Spielzeit überzeugten die Galser nicht zuletzt durch ihre Ausdauer. Dieser Faktor dürfte in der NLA jedoch weniger ins Gewicht fallen, weil mit dem grösseren Spielfeld auch die Anzahl der Spieler auf dem Platz ändert. Statt Vier-gegen-Vier spielen in der NLA Fünf-gegen-Fünf. So wird eher Schnellkraft als Ausdauer gefragt sein. «Noch fehlt uns der eine oder andere Spieler, um in der NLA auch bestehen zu können», gibt Leiser zu. «Aber wir sind daran, ein starkes Team aufzubauen.»

Die NLA-Euphorie im kleinen Gals ist gross. Doch vor der grossen Aufstiegsparty möchte Gals die Saison mit dem B-Titel krönen. Am Sonntag (14 Uhr) kann das Team in der heimischen «tschilar baut  Arena» den ersten Schritt dazu machen.

https://bielertagblatt.ch/sport/aktuell/gals-spezielle-erfolgsgeschichte

Donnerstag, 02.05.2019